
Ausgewählte Journalisten konnten am Gardasee bereits Vorserien-Versionen der neuen Marzocchi-Gabeln testen. Frontline Magazine ist gespannt auf die Seriengabeln. Foto: zVg Marzocchi
Höchste Zeit, mal etwas genauer zu gucken, was denn an den Marzocchi-Gabeln fürs Grobe für 2010 neu ist. Schliesslich bezeichnet man die vergangenen paar Jahre auch bei Marzocchi als schwierig – und hat darum als Devise «back to the basics» ausgegeben. Das heisst im Fall der Marzocchi-Federgabeln, dass das Schwergewicht bei der Modellpflege auf die Kriterien Zuverlässigkeit, Federungsperformance und Gewichtsreduktion gelegt wurde. Die ersten beiden Kriterien galten lange als die erklärten Stärken von Marzocchi, das dritte als die grosse Schwäche.

Spezielle Titanfedern, konifizierte Alu-Standrohre, ein reduziertes Ölvolumen und Titanschrauben sollen das Gewicht des 888-Topmodells unter die 3000-Gramm-Marke bringen. Foto: zVg Marzocchi
Die grosse Neuigkeit ist zunächst einmal die Rückkehr zum Konstruktionsprinzip der offenen Ölkartusche, welche die Dämpfungsarbeit übernimmt. Mit dieser Technologie, die ein tiefes Losbrechmoment und wenig Wartungsaufwand mit einer sehr guten Dämpfungsperformance verbindet, hat Marzocchi zu Zeiten der ersten Bomber-Gabeln Massstäbe gesetzt. Und genau daran will man 2010 wieder anknüpfen.

Auch das Topmodell der 66er-Baureihe ist Dank konifizierter Alu-Standrohre und Titanfedern deutlich leichter geworden. Foto: zVg Marzocchi
Je nach Ausführung bieten diese offenen Dämpfer nur eine verstellbare Zugstufe (Namenszusatz «RV») oder sind von aussen in der Zug- wie in der Druckstufe verstellbar (Zusatz «RCV» sowie «RC3»). Auf Erfahrung im Motocross-Bereich greift Marzocchi bei den «RC3 EVO»-Kartuschen zurück, die nur in den Topmodellen der Serie 66 und 888 verbaut werden: Über Shims lässt sich die Performance dieser Dämpfer sehr exakt auf die Vorlieben und Bedürfnisse des jeweiligen Fahrers abstimmen – sofern man nicht davor zurück schreckt, die Gabel zu zerlegen.

Bis zu 400 Gramm konnte Marzocchi bei der 160mm-Gabel 55 einsparen - womit sie der Fox 36 schon eher Paroli bieten kann. Foto: zVg Marzocchi
Um das Gewicht zu optimieren, wurde bei allen offenen Systemen die Ölmenge reduziert. Bei den Dämpfern der «RC3»-Serie treibt eine voluminöse Alu-Kolbenstange das Gewicht weiter nach unten. Dasselbe gilt für die eigens von Marzocchi entwickelten, allerdings nur in den Topmodellen verbauten Titanfedern und -negativfedern, die gegenüber herkömmlichen Titanfedern nochmals 50% Gewicht sparen. Ein weiteres Element, von dem sich Marzocchi viel verspricht, sind neue, geschlitzte Führungsbuchsen: Diese sollen noch engere Toleranzen ohne eine erhöhte Reibung ermöglichen, weil sie permanent im offenen Ölbad abgeschmiert werden.

Für Hochs und Tiefs in dreckiger Umgebung: Die «Dirt Jumper 1» mit neuer Krone und Tauchrohreinheit. Foto: zVg Marzocchi
Von aussen sofort erkennbar sind die auf Hochglanz polierten, nickelbeschichteten Standrohre: Aus konifiziertem Aluminium gefertigt, helfen diese mit, das Gewicht tief zu halten, ohne auf Luft als Federmedium zurück greifen zu müssen. Und zudem tragen sie ihren Teil zum niedrigen Losbrechmoment bei. Das Resultat all dieser Bemühungen kann sich zumindest auf dem Papier sehen lassen: So gibt Marzocchi als Gewicht der «888 RC3 EVO Titanium» exakt 2990 Gramm an – womit die Gabel gar etwas leichter als die Fox 40 und nur wenig schwerer als die leichtesten «Boxxer»-Gabeln von Rock Shox wäre.

Auf 2200g herunter gehungert, dürfte die neue Ausführung der «4X» bei den Racern deutlich besser ankommen als bisher. Foto: zVg Marzocchi
Man darf gespannt sein, ob dieses Gewicht bei den Seriengabeln eingehalten werden kann. Der Wermutstropfen all dieser Neuerungen ist, dass der Preis der Topmodelle spürbar anzieht: Marzocchi hat sich offensichtlich entschieden, die verlorenen Marktanteile nicht mit Kampfpreisen, sondern mit Federungsperformance zurück zu erobern. Dazu passt auch, dass die Stellknöpfe durchs Band hochwertig und ergonomisch stimmig wirken – kaum zu drehende Plastikknöpfe sucht man vergebens.

Ein Blick auf die neue, geschmiedete Krone zeigt eine der Stellen, wo Marzocchi für 2010 bei den «4X» und «Dirt Jumper»--Modellen Material und Gewicht einsparen konnte. Foto: zVg Marzocchi
Eine besondere Erwähnung verdienen auch die Gabel-Plattformen «4X» und «Dirt Jumper»: Die beiden 100mm-Gabeltypen fürs Grobe kommen 2010 mit komplett überarbeiteter, filigraner Krone und optimierter Tauchrohreinheit auf den Markt. Obwohl weniger Material verbaut wird, sollen die neuen Konstruktionen über grössere Steifigkeitsreserven verfügen. Mit 2200 Gramm für die «4X» respektive 2300 Gramm für die «Dirt Jumper 1» bewegen sich denn auch die seitens des Herstellers kommunizierten Gewichte in einem Rahmen, der nicht als Wettbewerbsnachteil gelten muss.



